Geschichtliches zur Gemeinde Plötzkau


Der Name Plötzkau (altsorbisch: plot) bedeutet eine durch einen Zaun oder Hagen befestigte Siedlung. Die im Zusammenhang mit Plötzkau bereits im Jahre 1049 erwähnte Höhenburg war bis 1147 Grafensitz. In dieser Zeit hatten das Unterdorf und die Schloßstraße schon Bestand, während der Teich weit außerhalb lag. Im Jahre 1139 wurde die Burg zerstört. Eine Burgengeschlecht von Plötzkau nannte sich nach der Feste, die bald wieder aufgebaut wurde. Bis 1400 war die Burg ein Rittersitz. Die Fürsten von Anhalt-Bernburg übernahmen 1435 den Besitz, als erledigtes Lehen in eigene Verwaltung.

 

 
Vor den Toren lag das Vorwerk Bründel. Von 1566 bis 1573 wurde die Burg zum Renaissance-Schloss mitteldeutscher Prägung umgebaut. 1611 bis 1665 war Plötzkau souveränes Fürstentum der Linie Anhalt-Köthen-Plötzkau. Mit dem Erlöschen der Köthener Linie 1655 gelangte Plötzkau gemäß Erbvertrag an Fürst Friedrich von Bernburg-Harzgerode und auch diese Haus an Anhalt-Bernburg (bis 1863). Das Amt Plötzkau umfasste damals 6 Dörfer: Plötzkau mit Bründel als Vorwerk, Großwirschleben, Teile von Gröna, Aderstedt, Bullenstedt und Ilberstedt.


Die Gesamtfläche betrug etwa 40 Quadratkilometer, die Einwohnerzahl etwa 2.000. Während des dreißigjährigen Krieges blieb Plötzkau unzerstört. Nachfolgend wurde das Schloss als Fabrik, Strafanstalt und Wohngebäude genutzt. Schließlich wurde es im Jahre 1874 der schon länger existierenden Domäne zugeteilt.


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Schloss Plötzkau um 1960

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Luftbildaufnahme von 1920

 
 

Plötzkau entwickelte sich zum Gutsdorf mit kleinen landwirtschaftlichen Betrieben und einigen großen Bauernhöfen. Nach dem II. Weltkrieg entstand im Zusammenhang mit der Bodenreform eine Neubauernsiedlung an der Thomas-Müntzer-Straße und an der Lindenstrasse. Anfang der 60er und 70er Jahre setzte eine starke Eigenheimbautätigkeit ein. Standorte der Neubausiedlungen sind die Bereiche um die Straßenzüge Lindenstrasse, Röhrstrang, am Schlosspark und Bründelscher Weg.
 

Zeittafel

 

1049 erfolgte die erste urkundliche Erwähnung in sächsischen und Magdeburger Analen. Die Edlen von Kakelingen kamen aus dem Raum Hecklingen nach Plötzkau und errichteten eine Höhenburg an der Saale. Bernhard I. führte ab 1069 den Titel Graf von Plötzkau.
 

Der Untergang dieses Geschlechts trat mit dem Tod von Konrad II. 1132 und dem seines Bruders und Nachfolgers Bernhard II. 1147 ein. Graf Konrad II., Markgraf der Nordmark, den man wegen seines mitfühlenden Herzens auch "Sachsenblume" nannte, wurde um Weihnachten 1132 in Italien durch einen Pfeil aus dem Hinterhalt tödlich verwundet. Er ist nur 25 Jahre alt geworden. Man hat ihn in der Ahnengruft in Kakelingen beigesetzt.
 

1139 zerstörten die Welfen Burg Plötzkau. Graf Bernhard II. bemühte sich um Ausgleich durch seine Teilnahme an einem Kreuzzug, starb 1147 ohne Nachkommen im Morgenland.
 

Der Sage nach beeinflussten zauberkundige Zwerge das Geschehen zur damaligen Zeit. So ist der frühe Tod der Grafen Konrad und Bernhard darauf zurückzuführen, dass ihr Vater Helprich den Zwergen ein kostbares Wunderhorn entrissen hat und es trotz eines düsteren Orakels der Zwerge behielt.
 

1152 wurde Albrecht von Askanien (Albrecht der Bär) von König Barbarossa (Friedrich I.) als Herrscher über Plötzkau eingesetzt. 1170 starb Albrecht und sein Sohn Bernhard wurde Graf von Anhalt und 1180 Herzog von Sachsen.
 

Die Burg war bis 1400 Rittersitz. 1422 starb die Linie der Herzöge von Sachsen-Wittenberg aus und die Burg Plötzkau erhielten Friedrich und Hans von Hoym sowie Henning und Dietrich von Freckleben als Lehen.
 

1436 starben die Herren von Freckleben auf Plötzkau aus und die von Hoym verließen die Burg mit einer Entschädigung. Seitdem war Plötzkau als erledigtes Lehen anhaltischer Besitz.
 

Fürst Bernhard begann 1566 mit dem Bau des Schlosses, starb jedoch 1570. 1573 wurde der Bau durch Fürst Joachim Ernst vollendet. Dieser starb 1586.
 

1603 wurde Sohn Christian I. Hausherr des Schlosses. Er verkaufte es 1611 für 100000 Taler an seinen Bruder August.
 

1623 erhielt Plötzkau eine Schar Lehensreiter und 20 Kriegsknechte. Damit besaß das souveräne Fürstentum eine eigene Armee. August von Anhalt-Plötzkau regierte die 40 Quadratkilometer Land mit 2000 Bewohnern, die in den Orten Plötzkau, Großwirschleben, Bründel, Bullenstedt, Osmarsleben, Aderstedt und einem Teil des Dorfes Gröna lebten, als absoluter Herrscher. Er regelte die Verwaltung, prägte Münzen, belehnte die Untertanen und hielt Gericht über Leben und Tod. Anhalt-Plötzkau war der kleinste jemals in Deutschland existierende souveräne Staat. Zu der Zeit erlebte das Schloss seine Blütezeit. August gilt als Stifter der Linie Anhalt-Plötzkau.
 

1625 wütete im anhaltinischen Land der 30-jährige Krieg und in Plötzkau quartierte sich, verbunden mit Verwüstung, Raub, Qual, Schande und Mord, das spanische Avendanoesche Reiterregiment ein. Fürst August verhinderte das Niederbrennen der Burg durch Diplomatie.
 

Als August 1653 starb, hinterließ eine Schuldenlast von 500000 Talern. Danach herrschten drei der acht Söhne von Albrecht gemeinsam in Plötzkau.
 

Das Fürstentum Anhalt-Plötzkau erlosch und Nachfolger wurden die Fürsten Friedrich und Wilhelm von Harzgerode-Bernburg bis zum Tode von Wilhelm im Jahre 1709. Plötzkau fiel als Amt an Anhalt-Bernburg zurück. Ab 1715 residierte der Bernburger Fürst Victor Friedrich für einige Zeit hier.
 

1741 waren eine japanische Lackwarenfabrik und danach eine Tuchwarenfabrik auf dem Schloss untergebracht.
 

Ab 1778 wurden Vieh- und Jahrmärkte auf dem Schloss und später im Ort abgehalten. Die herbstliche Pflaumennachlese war mit einem großen Pflaumenkuchenbacken verbunden. So entstand der Pflaumenkuchenmarkt.
 

Plötzkau entwickelte sich in dieser Zeit zu einem Gutsdorf mit etlichen kleinen und einigen großen Bauernhöfen.
 

Von 1841 bis 1884 war das Schloss eine Straf- und Besserungsanstalt für "Trunkenbolde, Landstreicher und arbeitsscheue Elemente" und wurde am 1.10.1884 Teil der Domäne.
 

Nach dem 2. Weltkrieg waren Umsiedlerfamilien bis in die Mitte der 70-er Jahre im Schloss untergebracht. Danach begannen Erhaltungs- und Sicherungsarbeiten und nach der Wende die Restaurierung der Schlossanlage, die zu den bedeutenden Renaissancebauten in Sachsen-Anhalt gehört.